Was Sie über Ihre Kollegen mit Kindern wissen sollten

Was Sie über Ihre Kollegen mit Kindern wissen sollten

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch für Arbeitnehmer in Deutschland ein wichtiges Thema. Veränderte Rollenbilder und Betreuungsangebote wollen miteinander in Einklang gebracht werden, aber auch prekäre Arbeitsverhältnisse setzen Eltern unter Druck.

Neben staatlichen Regelungen zur Unterstützung von Eltern sollte dabei auch die unmittelbare Situation im eigenen Team nicht außer Acht gelassen werden. Ärger bei der Urlaubsplanung, Fehlzeiten durch Krankheit der Kinder und ein pünktlicher Feierabend sorgen bei manch kinderlosem Kollegen für Unmut.

Dabei empfinden Angestellte mit Kindern die Situation häufig ebenfalls als belastend, ergeben sich doch aus dem Elternstatus zusätzliche Einschränkungen für den persönlichen (Arbeits-)Alltag. Vor allem den permanenten Zeitmangel nannten berufstätige Eltern in einer Studie des AOK-Bundesverbands als Stressfaktor.

Mit einem Bewusstsein für die Bedürfnisse der Kollegen lassen sich im Team bessere Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit schaffen. Wir haben ein paar Ideen gesammelt.

Termine verschieben

Das Termingerüst berufstätiger Eltern gleicht einem Kartenhaus. Verschiebt sich ein Element oder fällt weg, gerät das gesamte Konstrukt ins Schwanken.

Ein Meeting vor dem regulären Arbeitsbeginn oder eine Veranstaltung nach Feierabend erfordern einen hohen Planungsaufwand. Betreuung, Transport und die Pläne des Partners müssen unter einen Hut gebracht werden.

Dadurch wird das Privatleben anderer Kollegen natürlich nicht automatisch bedeutungsloser. Vielmehr geht es um gegenseitiges Verständnis für die Situation des Anderen. Wer fühlt sich schon gut, wenn er dem Chef sagen muss, dass er es privat nicht einrichten kann, an einem beruflichen Termin teilzunehmen?

Rechtzeitige Planung und Terminoptionen können eine solche Situation entspannen. Wenn sich dadurch auch nicht immer das Problem komplett lösen lässt, fühlt sich doch zumindest jeder im Team ernst genommen und verstanden.

Elternzeit ist kein Urlaub

Wer neidisch auf Kollegen schielt, die in Elternzeit gehen, vergisst gerne die bevorstehenden Anstrengungen frischgebackener Eltern. Auch die Eltern selber müssen erst lernen, wie viel Arbeit ein Baby bedeutet. Sie legen gemeinsam den Grundstein für das zukünftige Familienleben. Kein bedeutungsloses Projekt, oder?

Im Schnitt nehmen trotzdem nur 36% der Väter Elternzeit und das für den vergleichsweise kurzen Zeitraum von 3,5 Monaten. Das ist für viele auch mit der Angst verbunden, beruflich benachteiligt zu werden.

Zwar ist die Tendenz leicht steigend, Eltern befürchten jedoch allgemein Konsequenzen im Job, wenn sie sich für eine familiäre Auszeit entscheiden. Gerade Frauen bewegen sich hier in einem enormen Spannungsfeld. Gehen sie früh in den Job zurück, gelten sie schnell als Rabenmütter, bleiben sie länger mit dem Kind zuhause, müssen sie Nachteile beim Wiedereinstieg befürchten.

Unterstützung und Zusprache aus dem Arbeitsumfeld können auch hier sehr viel ausmachen. Nicht zuletzt sollte hier mit Blick auf die angestrebte Gleichberechtigung ein Umdenken im Arbeitsalltag erfolgen.

Ein offenes Ohr

Wie jeder andere Mensch auch, haben Eltern das Bedürfnis über ihre Probleme zu sprechen. Bleiben Sie geduldig und verkneifen Sie sich gutgemeinte Ratschläge. Manchmal hilft ein aufmerksamer, erwachsener Zuhörer schon sehr.

Es mag als Außenstehender wie eine Ausrede klingen, wenn der Kollege einem ausführlich von der Krankheit des Kindes oder Missgeschicken auf dem Weg zum Kindergarten erzählt. Tatsächlich geht es hier einem Menschen darum, eine herausfordernde Situation zu schildern, die ihn beschäftigt. Genau so, wie Sie Ihren Freunden von Ihren Problemen erzählen. Ein offenes Ohr kann hier also Wunder bewirken.

Voller Einsatz

Es ist nicht als persönlicher Angriff gemeint, wenn Eltern lieber für sich alleine essen oder sich kaum am Bürotratsch beteiligen. Der Zeitdruck erfordert schlicht eine hohe Konzentration auf die Arbeit. Denn wer pünktlich Feierabend machen möchte, muss entsprechend effizient sein. Mit dem Ausstempeln um 17:01 Uhr endet schließlich nicht die Verantwortung.

Kollegen mit und ohne Kindern unterscheiden sich in mancher Hinsicht also doch nicht so sehr wie man auf den ersten Blick vermuten würde. Ein verständnisvolles Miteinander aller Teammitglieder kann grundsätzlich zu einem besseren Gefühl der einzelnen Personen am Arbeitsplatz beitragen. Für manch einen ist die Zeit am Arbeitsplatz dann vielleicht sogar eine kleine Auszeit vom Elternjob und kann dabei helfen, in beiden Bereichen erfolgreicher zu sein.