Unser täglicher Kaffee

Unser täglicher Kaffee

Für einige wenige ist er eine bittere braunschwarze Brühe. Für die meisten aber Genussmittel, Wachmacher und Begleiter am Nachmittag. Kaffee. Ob pur als Filterkaffee, Espresso oder Mokka oder mit Milch als Cappuccino, Latte Macchiato oder eine der vielen süßen Varianten der Coffeeshopketten – er gehört zu unserem täglichen Leben dazu.

Nur 1% der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzflächen sind dem Kaffeeanbau vorbehalten. Das entspricht etwa 11 Mio. Hektar, auf denen Kaffee kultiviert wird. Über 70 Länder sind in den Kaffeeanbau involviert. Fast alle diese Länder sind Entwicklungs- und Schwellenländer in Südamerika, Afrika und Südasien im sogenannten Kaffeegürtel entlang des Äquators. In diesen Ländern haben etwa 20 bis 25 Mio. Menschen Arbeit durch den Anbau und die Weiterverarbeitung des Kaffees. Der Kaffee wird geerntet, aufbereitet, um Fruchtschale, Fruchtfleisch, Pergament- und Silberhäutchen zu entfernen, und anschließend zur endgültigen Entfernung von Hautresten gereinigt. Handelt es sich um hochwertigen Kaffee, werden die Bohnen zu guter Letzt noch per Hand nach Größe und Qualität verlesen, bevor sie für den Transport vorbereitet werden.

Da die noch grünen Bohnen schnell unerwünschte Gerüche und Geschmack annehmen und außerdem ranzig werden können, müssen sie zügig verpackt und verschifft werden. Darüber hinaus müssen, anders als etwa bei einer Ladung Plastikspielzeug, die für den Transport genutzten Container aufgrund der Empfindlichkeit des Produktes stets außerordentlich sauber und geruchsneutral sein. Denn nur besonders edle Sorten mit geringem Erntevolumen werden in Jutesäcken im Container transportiert. Rund 80% des international gehandelten Kaffees geht hingegen als Bulkware, also als loses Schüttgut, direkt in die Container. Die besonders geeigneten Stahlbodencontainer sind innen meist mit einer Schicht absorbierender Pappe und Jute ausgelegt, um Schäden an der Kaffeebohne durch Feuchtigkeit und Kondenswasser zu vermeiden. Außerdem müssen eine ausreichende Belüftung und eine einigermaßen konstante Temperatur gewährleistet sein. Wenn all diese Maßnahmen getroffen sind, kann der Transport über die Meere in die Zielhäfen beginnen. Bis zur Ankunft in Europa vergehen bei einer Ladung aus Südostasien oder Südamerika rund zwei bis drei Wochen.

Für den deutschen Markt sind die Häfen Bremen und Bremerhaven Umschlagplatz Nummer eins. Der Hamburger Hafen allerdings ist Europas größter Hafen für Kaffeeimporte, 700.000 t Rohkaffee werden dort jährlich umgeschlagen und größtenteils in andere europäische Länder weitertransportiert. Einmal im Hafen angekommen und nachdem die Verzollung abgewickelt wurde, durchläuft der Kaffee beim Großhändler oder direkt bei einer der großen Röstereien eine stichprobenartige Qualitätsprüfung hinsichtlich Optik, Geruch, Bohnengröße. Außerdem wird aus den verschiedenen Kaffeesorten ein Aufguss bereitet und gekostet, um Körper, Aromen und Säure für die Kundenwünsche zu definieren. Die Kaffeeröstereien starten im Anschluss das Röstverfahren. Unterschieden wird für den Endkunden dabei in Rohkaffeesorten und Herkunftsgebiet sowie in Röststärke und damit Aromaintensität. Der Großhändler lagert zwischen, was entweder lose in Silos oder in Säcke gefüllt in Lagerhallen passiert. Beim Großhändler wird der Kaffee aber, je nach Kundenauftrag, auch gereinigt, gemischt oder für den Weiterexport vorbereitet.

Schließlich kauft der Konsument seinen Kaffee als Bohnen, Pulver oder Kapseln im Supermarkt. Oder er kauft seinen Kaffee bei einer kleinen Rösterei seines Vertrauens für den individuellen Geschmack. Oder er sitzt im Café und schlürft dort direkt seinen frisch gebrühten Espresso.
Den höchsten Kaffeekonsum hat nach wie vor Europa. Aber es kommen neue Märkte hinzu. Allen voran Länder wie China, Japan oder Korea, in denen Kaffee traditionell keine bedeutende Rolle spielte, rücken nach, denn dort übernehmen die Menschen die Gewohnheiten der Europäer und Amerikaner. So haben sich Nachfrage und Konsum weltweit in den vergangenen 25 Jahren nahezu verdoppelt. Tendenz steigend, denn Kaffee ist längst nicht mehr nur der Muntermacher am Morgen. Und über das reine Genussmittel hinaus ist er inzwischen vielmehr zu einem Lifestyleprodukt geworden, mit dem man zeigt, wer man ist. Auf allen Kontinenten der Erde.