Shanghai. Hafen der Superlative

Shanghai. Hafen der Superlative

China. Das Reich der Mitte ist, was die Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen betrifft, das größte der Welt. Auch seine Fläche ist riesig, 9.596.961 km² verschaffen ihm den vierten Platz auf der Liste der weltweit größten Länder. Die Wirtschaft wächst jedes Jahr um viel höhere Raten als die westlichen Volkswirtschaften. Inzwischen ist China mit einem Exportvolumen in Höhe von 2,157 Billionen US$ in 2017 (bei einem Gesamthandelsvolumen von 3,888 Billionen US$) die größte Exportnation der Welt. Und so kann man einen Superlativ an den nächsten reihen, wenn man über China spricht. Shanghai gehört mit in diese Liste, denn es beheimatet den mit Abstand größten Hafen der Welt.

Damals – heute
Schon während der Qing-Dynastie (1644-1912) hatte Shanghai durch seine Lage im Delta des Yangtse-Flusses eine Schlüsselposition für die Entwicklung des Küstenhandels. 1842 wurde es zum Handelshafen ernannt, womit der Außenhandel begann. Und schon Anfang des 20. Jahrhunderts war Shanghai der größte Hafen in Fernost. Mit der Konsolidierung der kommunistischen Herrschaft Mitte des Jahrhunderts und der sogenannten Kulturrevolution in den 1960ern erlebte die gesamte Wirtschaft herbe Rückschläge. Dies machte sich selbstverständlich auch im Hafen von Shanghai bemerkbar, wo der internationale Handel schrumpfte und die Infrastruktur verfiel. Erst seit den Wirtschaftsreformen im Jahr 1991 kann er wieder wachsen – von nun an in rasendem Tempo.

Dieses immense Wachstum ist vor allem dem Bau des Tiefwasserhafens Yangshan zu verdanken, der 2005 in Betrieb genommen wurde. Dort können die größten Containerschiffe der Welt mühelos anlegen, auch die Post-Panamax-Frachter, deren größtes zur Zeit die knapp 400m lange und 21.413 TEUs fassende OOCL-Hong Kong ist. Allein im Yangshan-Hafen können heute jährlich 20 Millionen Container umgeschlagen werden.

Die Strukturen
Der Hafen von Shanghai ist unterteilt in fünf Hauptanlagen. Neben dem Tiefwasserhafen Yangshan sind das die Sonderwirtschaftszone Pudong, die aus mehreren Häfen besteht, und die jeweiligen Anlagen an den Mündungen der Flüsse Yangtse, Qiantang und Huangpu, die alle in Shanghai ins Gelbe Meer fließen. Betreiber des gesamten Hafens ist seit 2003 die Shanghai International Port Group (SIPG), die an der Shanghaier Börse im Index SSE50 der 50 bedeutendsten Unternehmen des Landes gelistet ist.

Der Hafen Yangshan
Der Tiefwasserhafen Yangshan ist in vielerlei Hinsicht besonders. Er befindet sich auf zwei vorgelagerten Inseln im offenen Meer südlich von Shanghai. Die anderen Hafenabschnitte an den Flussufern sind gezeitenabhängig, daher war irgendwann der Bau eines Tiefwasserhafens notwendig. 2005 wurde Yangshan eröffnet, der Hafen wird aber in Modulen weiter ausgebaut und soll in seiner Gesamtheit 2020 fertiggestellt sein. Mit dem Festland ist Yangshan durch die 32,5 km lange Donghai-Brücke verbunden. Über sie werden die Container per Feeder und per LKW zwischen den Hafenanlagen und dem Güterbahnhof auf der anderen Seite hin und her transportiert.

Die Automatisierung
Umgerechnet 1,31 Mrd. € investierte die SIPG in ein zukunftsträchtiges Projekt. Im Dezember 2017 wurde dann der auf dem vierten Abschnitt von Yangshan befindliche vollautomatisierte Terminal eröffnet. Auch hier hat China gegenüber seinen Konkurrenten die Nase vorn: Dieser Terminal ist der erste in seiner Art – weltweit. 2.350 m ist die Kaimauer lang, die sieben Liegeplätze für Riesenfrachter bietet. An ihr befinden sich zur Zeit 10 Brücken- und 40 Portalkräne. Es sollen mit dem fortlaufenden Ausbau des Terminals einmal 26 Brücken- und 120 Portalkräne werden. Vollautomatisiert heißt auch, dass dort keine Fahrer mehr die LKW von A nach B fahren. Stattdessen sind derzeit gut 50 fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF) im Gelände des Terminals unterwegs. Die Flotte soll auf 130 FTF ausgeweitet werden.

Der Ausblick
Die Kräne ragen rund 65m in den Himmel, ein ganzer Wald von Kränen. Dahinter und dazwischen und überall: Reihen und noch mehr Reihen von Containern. Abgesehen von 2009, als der Umschlag als Folge der internationalen Finanzkrise um zehn Prozent einbrach, ist der Containerumschlag in den letzten zwei Jahrzehnten Jahr für Jahr gestiegen. 2017 knackte Shanghai eine weitere Rekordzahl und erreichte einen Umschlag von 40,23 Mio. TEU-Containern. Um solche Zahlen zu erreichen, sind 30.000 Menschen im Hafen beschäftigt.

Der Betrieb im Hafen von Shanghai steht niemals still. An sieben Tagen die Woche wird rund um die Uhr gearbeitet, von Menschen und inzwischen vor allem von Maschinen. Containerschiffe werden vertäut und dann im zügigen Rhythmus der Containerbrücken entladen. Kräne stapeln Container auf die Frachter, immer zwei zur gleichen Zeit, die bunte Wand der Bauklötze wird höher und höher. Flurfahrzeuge wuseln hin her, um die Ware weiterzutransportieren. In den nächsten Wochen und Monaten wird die Intensität noch zunehmen, denn in Europa und Amerika steht das Weihnachtsgeschäft an. Die Sendungen müssen rechtzeitig auf Reise gehen, denn sie sind bis Antwerpen, Rotterdam oder Hamburg rund vier Wochen auf See. Und am Ende der Reise werden dann wieder Smartphones, Elektrogeräte, Sportartikel, Spielwaren, Schmuck, Kleidung und vieles mehr unter den Weihnachtsbäumen liegen.