Rotterdam – das Nadelöhr nach Europa

Rotterdam – das Nadelöhr nach Europa

Wir Hamburger nennen unsere Stadt ganz bescheiden „Das Tor zur Welt“. Und als Unternehmen mit Sitz (auch) in Hamburg, diesem bedeutenden internationalen logistischen Standort, haben auch wir unseren Blick in die Welt gerichtet. In unserer Reihe „Vom Tor zur Welt in die Häfen der Welt“ wollen wir Ihnen in unserem Blog jeden Monat einen wichtigen Hafen, einen logistischen Knotenpunkt und Umschlagplatz auf diesem Globus vorstellen.

Der größte Hafen von Europa, der Hafen von Rotterdam… ein Ort mit unglaublicher Betriebsamkeit. Jede Minute des Tages und jeden Tag der Woche. Auch am Wochenende und nachts herrscht im Rotterdamer Hafen eine durchgängige Aktivität, die der eines riesigen Ameisenhaufens gleicht. Aber was passiert da denn eigentlich jeden Tag? Welche Produkte kommen da über den Hafen ins Land und auf den Kontinent? Und wie viele? Die meisten Menschen haben keine konkrete Vorstellung von diesen Dingen. Wir möchten Sie hier gerne mitnehmen zu einer Erkundung des alltäglichen Gangs der Dinge im Hafen von Rotterdam.

Fakten und Zahlen
Das Hafengebiet umschließt rund 12.500 Hektar, dabei werden Land- und Wasserflächen mitgezählt. Von den 12.500 Hektar sind ca. 6000 Hektar Betriebsgelände. Die Gesamtlänge des Hafens beträgt 42 km. Das entspricht, für eine bessere Vorstellung, ungefähr acht Stunden Spazierengehen. Es ist ein Netz von 1500 km Rohrleitungen verlegt, und die Wassertiefe beträgt an der tiefsten Stelle 24 m, was auch den größten Containerschiffen der Welt rund um die Uhr die Zufahrt ermöglicht. Jährlich legen 30.000 Ozeanschiffe und 110.000 Binnenfahrtsschiffe im Hafen an, der jährliche Umschlag beziffert sich auf etwa 465 Mio. t Güter verschiedener Art. Der Hafen von Rotterdam ist das Nadelöhr, das den Zugang zu einem Markt mit europaweit über 350 Mio. Konsumenten bietet.

Wer arbeitet im Hafen?
Jeden Tag arbeiten 180.000 Menschen im Hafen. Es ist eine internationales und dynamisches Umfeld mit 1200 Unternehmen in breit gefächerten Branchen. Größtenteils handelt es sich um Unternehmen der chemischen Industrie, der Erdölindustrie, Nahrungsmittelverarbeitung und Energieproduzenten, aber natürlich auch um Logistikunternehmen für den Weitertransport von Industrie- und Konsumgütern.

Etwa 19% der berufstätigen Bevölkerung im Großraum Rotterdam arbeiten im Hafen. Durch die Inbetriebnahme der Maasvlakte 2, einem komplett neu, künstlich angelegten Gebiet mit 2000 Hektar Fläche, entstehen auch in den kommenden Jahren immer noch viele neue Arbeitsplätze. Schätzungen zufolge wird es in 2030 einen Bedarf an weiteren 10.000 Arbeitskräften geben. Wegen der hohen Nachfrage nach technischem Personal bietet der Hafen von Rotterdam eine gute Zukunftsperspektive und viele Entwicklungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer.

Der Hafenbetrieb Rotterdam, Port of Rotterdam, verwaltet und betreibt das Hafengebiet und entwickelt es kontinuierlich weiter. Er investiert in das bestehende Gebiet, in neue Erschließungen sowie öffentliche Infrastruktur und in die gesamte Abwicklung der Schifffahrt. Der Port of Rotterdam verzeichnet einen jährlichen Umsatz von ca. 600 Mio. € mit rund 1100 Mitarbeitern, die in den Bereichen Handel, Schifffahrt und Infrastruktur tätig sind.

Der Hafen ist Ihr Zuhause
Schauen Sie mal um sich herum. Ob Sie nun zu Hause, im Büro oder im Zug sitzen… viele der Dinge, auf denen Sie sitzen, die Sie regelmäßig benutzen, konsumieren, verzehren und für ganz alltäglich halten, sind über den Rotterdammer Hafen zu uns gekommen. Von der Kleidung, die Sie tragen, über den Bildschirm, auf den Sie gucken, während Sie diesen Artikel lesen, bis zum Inhalt der nächsten Paketlieferung, die Sie erwarten… Im ersten Halbjahr 2017 wurden 238 Mio. t an Gütern im Hafen von Rotterdam umgeschlagen. Ein Wachstum von 3,9% gegenüber dem Vorjahr.

Eigentlich verrückt, dass so viele der Dinge in unserem Alltag einen Container von drinnen gesehen und häufig Tausende Kilometer zu See zurückgelegt haben. Und mit einer wachsenden Wirtschaft, zunehmendem Online-Handel und Entwicklungen in der Industrie, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Eher im Gegenteil: Große Häfen werden ihren Platz in der Welt und für unser Alltagsleben behalten, vielleicht auch an Bedeutung gewinnen. Vorausgesetzt, ihre Infrastruktur kann den wachsenden Anforderungen standhalten und sich den globalen Veränderungen anpassen. Der Hafen von Rotterdam hat jedenfalls noch viel vor sich.