Reisen macht Sie besser im Job

Reisen macht Sie besser im Job

Die Sommerzeit ist für viele Menschen Reisezeit. Zeit, um für einen Moment Abstand zur Berufswelt zu gewinnen und stattdessen in Regionen abseits des bekanntes Wohnortes Entspannung, Erlebnissen und Aktivitäten nachzugehen. Reisen kann aber viel mehr sein als nur der reine Gegensatz zur auferlegten Arbeit des Alltags. Die Erfahrungen, die wir gewollt und ungewollt auf einer Reise sammeln, wecken in uns Fähigkeiten, die uns auch in unserem Job besser machen. Und dies gilt sogar für berufliche Reisen.

Zu vielen Aspekten der Berufswelt und zu Softskills werden Mitarbeitern Seminare angeboten. Dabei ist in vielen Fällen das Leben der bessere Lehrmeister. Dazu gehört auch das Reisen. Ganz bestimmte Fähigkeiten werden hier unbewusst trainiert, die uns im Job weiterhelfen und für jeden Arbeitgeber attraktiv sind.

1. Das Team
In den meisten Fällen ist man im Urlaub mit anderen Menschen unterwegs, seien es Freunde, die Familie, der Partner oder bei einer Geschäftsreise die Kollegen. Selbst wenn man ganz alleine reist, ist man doch hier und da auf andere Menschen und deren Meinung und Hilfe angewiesen. Jeder begibt sich in solchen Situationen automatisch in den Spagat, sich auf die anderen zu verlassen und gleichzeitig mit ihnen zu kooperieren. Sich auf die anderen in einer Gruppe zu verlassen heißt hier nicht, dass man sich komplett herausnimmt und die Verantwortung den anderen überträgt, sondern es heißt, ihnen zu vertrauen, ihre Entscheidungen zu akzeptieren und zu unterstützen. Kooperation ist quasi der nächste Schritt, wenn sich aus der Akzeptanz der anderen Ideen der Wille ergibt, gemeinsam einen Plan und ein Programm für die Reise zu schaffen, bei dem sich jeder einzelne aus eigenem Antrieb einbringt. Die optimale Form der Teamarbeit also, die für jeden Chef und Teamleiter interessant ist.

2. Das Zuhören
Wenn man in fremden Regionen und Kulturen Urlaub macht, ist es wichtig, Augen und Ohren aufzuhalten, auf die Unterschiede Acht zu geben, die zur eigenen Umgebung zu Hause bestehen, und auf die kleinen Zwischentöne zu hören. Wie weit man dies umsetzt, liegt selbstverständlich an jedem einzelnen Reisenden selbst: Manche folgen ihrem eigenen althergebrachten Muster, auch im Ausland, anderen fällt es leichter, ihre Antennen auszufahren, die feinen Frequenzen zu hören, zu absorbieren und ihr Verhalten entsprechend zu transformieren.

In vielen asiatischen Ländern ist es beispielsweise ein großer Fauxpas, in der Öffentlichkeit zu streiten, geschweige denn, einen Dritten laut anzufahren (klassisches Beispiel: den Taxifahrer), weil er in den Augen des Reisenden einen Fehler gemacht hat. Sich selbst zu trainieren, an erster Stelle zu hören und zuzuhören, sich selbst nicht sofort zu präsentieren, sondern erst einmal zu verstehen, wo man sich befindet und wie die Umgebung funktioniert, in der man einen Platz einnehmen will, sollte das Ziel sein. Dies lässt sich sehr schnell auf die Unternehmenswelt übertragen: Wer in multikulturellen Teams oder internationalen Unternehmen tätig ist, wird umso mehr davon profitieren, wenn er auf Reisen gelernt hat, anderen zuzuhören, Fremdes in der Essenz zu durchdringen und andere Gewohnheiten und Meinungen zu akzeptieren. Zudem zeigt sich hier oft auch eine allgemeine Haltung, Neues lernen zu wollen und offen zu sein.

3. Das Organisieren
Alle kennen es, dass im Urlaub auch einmal nicht alles so läuft, wie geplant. Gepäck kommt verspätet an, das WLAN im Hotel ist langsam, der Busplan für den Trip in die nächste Stadt war offenbar veraltet, die Kreditkarte wird nicht akzeptiert. Erst in diesen Momenten wird man plötzlich kreativ und aktiv. Man sucht nach Alternativen, teilweise unter Zeitdruck, sucht sich Unterstützung bei den Einheimischen. Und am Ende findet man eine Lösung – wer weiß, vielleicht ist sie besser als die erste. Genau dieses Ad-hoc-Organisieren hilft einem, zu priorisieren, sich zu fokussieren, sachlich und ohne hinderliche Emotionen (wie Panik oder Genervtheit) das Ergebnis zu verfolgen. Wenn im Büro einmal nicht alles Plan läuft, sind es genau diese Eigenschaften und Fähigkeiten, die man braucht, um die Dinge am Laufen zu halten: Fokus, Priorisierung, Sachlichkeit sowie der generelle Wille, um die Ecke zu denken und einen anderen Weg für die Lösung des Problems zu finden.

4. Die Unabhängigkeit
Zeit bekommt auf Reisen plötzlich eine andere Bedeutung und einen anderen Stellenwert. Man ist nicht mehr an tägliche Routinen von zu Hause gebunden, die neue Umgebung hat für sich vielleicht eine andere Geschwindigkeit und man befindet sich abseits von Freunden und Kollegen, mit denen man während der Reise dadurch oft einen anderen Kontakt als gewöhnlich oder gar keinen Kontakt hat. All das bedeutet eine gewisse Unabhängigkeit. Man ist selbst Herr über die Einteilung seiner Zeit, man hat Zeit für sich und die Dinge, die einem in dem Moment wichtig sind und die man erleben möchte. Dennoch will niemand im Urlaub in Stress geraten, und so steht man doch vor der Aufgabe, sich die Zeit einzuteilen, und zwar so, dass man die Dinge tut, die man tun will, und dass es einem dabei gut geht.
Man lernt, eigenständig zu priorisieren, unabhängig von äußerem Input zu planen oder zu agieren und dabei gleichzeitig die Sache wie auch sich selbst im Blick zu haben. Fähigkeiten, die in jedem Job oberhalb der Sachbearbeiterebene sehr vorteilhaft sind.

Reisen bildet – ein oft gehörter Spruch. Es sind aber weit mehr als Fakten über ferne Regionen, die man beim Reisen lernt. Reisen bildet und formt einen als Mensch, man kann seine Fähigkeiten und Softskills auf andere Weise schulen als zu Hause und daraus langfristig und auf unterschiedlichen Ebenen Nutzen ziehen, in der Gesellschaft, in der Familie und mit Freunden, aber auch im Job.
Nicht weil man mit diesen Fähigkeiten einen Chef beeindrucken will, sondern weil man selbst davon profitiert, indem man leichter arbeitet und bessere Ergebnisse erreicht.