Kurioses aus dem Hamburger Hafen

Kurioses aus dem Hamburger Hafen

Wir von Transport Talent sitzen im Herzen Hamburgs in St. Pauli – heute zwar auch Szeneviertel, früher aber das Zuhause vieler Hafenarbeiter. Ganz Hamburg ist ohne Hafen nicht vorstellbar, und was liegt da also näher, als in unserer Serie „Vom Tor zur Welt in die Häfen der Welt“ auch einmal über unsere eigene Stadt zu schreiben?

Brückenbauer
Die meisten Leute denken direkt an Venedig, wenn man von einer Stadt mit unzähligen Brücken und Kanälen spricht. Dabei ist eigentlich Hamburg der Spitzenreiter in Europa, was die Anzahl der Brücken betrifft. 2500 Brücken überspannen die zahlreichen Kanäle, Flüsschen und Fleete in und um Hamburg. Damit ist Hamburg die brückenreichste Stadt Europas und hat mehr Brücken als Venedig, Amsterdam und London zusammen. Aber natürlich ist irgendwie jede Hafenstadt ein bisschen Brückenbauer, öffnet sie doch Wege in andere Welten und auf ferne Kontinente, bringt uns fremde Produkte und unbekannte Kulturen näher an unser Zuhause.

Würzig
In Hamburg ist das einzige Gewürzmuseum der Welt beheimatet, und zwar ganz traditionell in einem über 130 Jahre alten Speichergebäude. Einen besseren Ort könnte es gar nicht geben. In dem in der Speicherstadt gelegenen „Spicy‘s Gewürzmuseum“ kann man alles über Gewürze aus aller Welt herausfinden.
Der klassischen Gewürzhandel, wie man ihn sich vielleicht aus europäischer Kolonialzeit vorstellt, besteht so selbstverständlich nicht mehr. Große Mengen von Gewürzen kommen heute in ganzen Containerladungen in den großen Häfen der Welt an, so auch in Hamburg. Von dort aus geht es dann für Pfefferkörner, Vanillestangen und Co. meist direkt weiter zur verarbeitenden Industrie. Wenn notwendig, werden sie noch einmal gereinigt, dann zerkleinert, gesiebt, gemischt und in die handelsüblichen Formate abgepackt, die jeder aus dem Supermarkt oder dem Feinkostladen kennen. Um zu verhindern, dass die alten Handels- und Aufbereitungsformen in Vergessenheit geraten, wurde 1991 ein kleines, noch sehr einfaches Gewürzmuseum in einem alten Firmengebäude in der Richardstraße in Hamburg eröffnet. Nach vielen Bemühungen gelang es dann 1993, in die Speicherstadt umzusiedeln, die mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Dort sind heute Besucher aus Hamburg und der Welt willkommen.

Altehrwürdig
Eine kleine Insel im Wattenmeer ist die Heimat des ältesten Leuchtturms Europas. Er wurde 1300 auf der Insel Neuwerk gebaut, die der Elbmündung vorgelagert in der Nordsee liegt. Das Seegebiet gehört zu Hamburg, und somit ist der Leuchtturm das älteste Bauwerk Hamburgs. In den ersten Jahrhunderten seines Daseins sollte er allerdings vor allem vor Piraten und Plünderern schützen, die über die Elbe nach Hamburg und in andere Partnerstädte der Hanse entlang der Elbe eingedrungen wären. Erst ab 1815 wurde er umfunktioniert und trat er seinen Dienst als Leuchtturm an.

Handelsstadt Hamburg
Mehr als 6200 exportierende Unternehmen machen Hamburg zum größten Handelszentrum Deutschlands. Dazu gehören Unternehmen der Luft- und Raumfahrt, der Kosmetikindustrie, Handelsunternehmen, Elektro- und Medizintechnikproduzenten, Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung und Genussmittelhersteller, um nur einige Branchen zu nennen – allesamt internationale Größen. Aber auch unzählige kleine und mittelständische Unternehmen leisten als Zulieferer z. B. für die metallverarbeitende und chemische Industrie weltweit ihren Beitrag. Viele Produkte kommen in Container und machen sich so auf die Reise um den Globus.

Spionage zum Angucken
Das größte, nicht-nukleare Spionage-U-Boot der Welt liegt – im Hamburger Hafen. Zu Sowjetzeiten gebaut und 1976 in Betrieb genommen, war die U-434, die eigentlich B-515 heißt, über dreißig Jahre lang Teil der russischen Marine. 2002 wurde sie ausgemustert. Investoren kauften sie für eine Million Euro. Gewisse technische Ausrüstung wurde von russischer Seite selbstverständlich vorher entfernt, man modifizierte das U-Boot entsprechend und nun kann es am St. Pauli Fischmarkt von Interessenten und Hobby-Spionen besichtigt, begutachtet und bestaunt werden.

Neue Sprache
Im Hamburger Hafen hört man auch heute noch einen besonderen Slang, mit einem ihm eigenen Singsang und aus dem Plattdeutschen entlehnten (in Hamburg meist durchaus geläufigen) Begriffen. Er fällt dem Besucher der Stadt wahrscheinlich mehr auf als dem Hamburg selbst. Manche Hamburger Hafenarbeiter hatten früher aber eine ganz eigene Art zu sprechen, die unter Nichteingeweihten durchaus für Verwirrung sorgen konnte. Die sogenannte Ketelkloppersprook hatte schließlich ganz besondere Charakteristika. Ketelklopper, also Kesselklopfer, waren für die Reinigung der Tanks und Kessel zuständig und standen in der Hierarchie der Hafenarbeiter weit unten. Gegen Hohn und Spott von anderen Werftarbeitern wehrten sie sich mit gewissen Umgangsformen und eben auch mit ihrer eigenen Sprache, einer neuen Sprache, die vor rund hundert Jahren entstand. Angehängte Vokale und die Verschiebung von Silben innerhalb der Wörter machten es für Außenstehende schwer bis unmöglich, den Unterhaltungen der Ketelklopper in ihrer Ketelkloppersprook zu folgen. Dies wurde später auch nützlich, um sich gegenüber der Konkurrenz ausländischer Arbeiter zu verständigen oder in der nationalsozialistischen Zeit politischer Bespitzelung zu entgehen.

Schwimmende Werkstatt
Im Hamburger Hafen liegen nicht nur Schiffe, die auf ihrer Reise einen Ladestopp bei uns machen. In den Docks verschiedener Werften liegen auch die, die erst noch gebaut, repariert oder umgebaut werden müssen, seien es Frachtschiffe oder auch Yachten. Aber wie funktioniert eigentlich ein Schwimmdock? Zunächst wird das Dock geflutet. Es taucht dann so weit ins Wasser ein, dass ein Schiff mühelos einfahren kann. Anschließend wird das Wasser aus den Tanks herausgepumpt und das Schwimmdock hebt sich mit dem Schiff aus dem Wasser. So können auch im Bereich des Unterwasserschiffs Arbeiten durchgeführt werden.

Die Nordrange
Zur Nordrange gehören die Nordseehäfen Antwerpen, Rotterdam, Bremen und Bremerhaven sowie Hamburg. Über die Nordrange werden etwa 80% des europäischen Im- und Exports abgewickelt. Die Häfen versorgen das nordwestliche Europa mit Waren und Gütern aus Übersee. Der Hamburger Hafen versorgt auch erhebliche Teile Mitteleuropas und Osteuropas. Alle haben Containerterminals. Einerseits stehen sie in starker Konkurrenz zueinander, da sie alle Universalhäfen sind und geographisch nah beieinander liegen, andererseits haben sie gewisse Kapazitätsgrenzen. Je nach Bestimmungsziel des Containers und anderen Restriktionen (z. B. fixe Ankunftstermine) kann es für den Transporteur eine Alternative sein, Container an einem Mittelmeerhafen oder z. B. am Schwarzen Meer auszuladen.

50 Jahre Containerumschlag
Manch einer mag sich fragen, warum Container eigentlich geriffelt sind? Ganz einfach: Damit sie den hohen Belastungen z. B. durch häufiges Verladen oder Vibrationen auf dem Schiff besser standhalten können. Container haben heute eine Lebenszeit von etwa zwölf Jahren. Und in dieser Zeit erleben sie auf ihren Reisen um die Welt einiges. Für den Hamburger Hafen sind diese bunten und geriffelten Boxen schon seit 50 Jahren sehr wichtig, denn sie sind der Grund für Umschlagzahlen in Millionenhöhe (jährlich 9 Mio. Boxen). Aber auch für jeden Hamburger wie auch Bewohner ganz Europas sind die Container wichtig. Denn sie bringen uns vieles, was wir wie selbstverständlich in unseren Alltag integriert haben: Kaffee, Kakao, Früchte, Fisch, technische Geräte, Autos, Sofas – ohne Container würde uns einiges im Leben fehlen. In einen 40-Fuß-Container passen zum Beispiel etwa 8.000 Turnschuhe oder 28.000 Liter Bier. Mittlerweile gibt es Ozeanriesen, die bei einer Länge von 400 m bis zu 21.000 Standardcontainer (20-Fuß-Container) transportieren können. Als 1968, also genau vor 50 Jahren, die „American Lancer“ als erstes Vollcontainerschiff den Hamburger Hafen anlief, transportierte sie bei einer Länge von 213 m knapp 1.200 Container. Die Schiffsgröße hat sich also in den letzten 50 Jahren knapp verdoppelt, die Ladekapazität hingegen ist um das Achtzehnfache gestiegen. Das schlägt sich natürlich auch im Preis nieder: Zu Beginn der Containerisierung machten die Transportkosten im Schnitt zehn Prozent des Produktpreises aus, heute sind es nur noch knapp drei Prozent oder weniger. Die Transportkosten eines Tablet-PCs von Asien nach Hamburg können z. B. unter 20 Cent betragen.

Historische Kräne an der Elphi
Seit fast anderthalb Jahren hat Hamburg ein neues Wahrzeichen, die Elbphilharmonie – oder auch Elphi. Aber viele vergessen, dass sie nicht komplett neu ist. Der untere Teil des imposanten Gebäudes, das mit seinen Wellen aus Glas in den Himmel ragt, ist der alte Kaispeicher A aus klassischem Hamburger Rotklinker. Und damit dieser alte Kaispeicher ein bisschen Gesellschaft aus der Vergangenheit hat, wurden an der Südseite der Elbphilharmonie drei denkmalgeschützte Halbportalkräne aufgestelle, die dort auch ihren Ursprungsplatz haben. Bis Anfang der 1990er Jahre wurden mit diesen Kränen die Kaffee- und Kakaosäcke von den Schiffen in das Innere des Kaispeichers verladen. Die Kräne wurden in den letzten Jahren von der Stiftung Hamburg Maritim in verschiedenen Projekten saniert und stehen nun an an ihrem neuen alten Platz.

Über weitere Häfen dieser Welt lesen Sie in einer Serie auf unserem Blog.
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