Ein Jobangebot richtig ablehnen

Ein Jobangebot richtig ablehnen

Wenn es um einen neuen Job geht, denken wir meistens voller Vorfreude an diese eine bestimmte Stelle, auf die wir uns beworben haben. Wir waren sogar schon in der zweiten Runde vom Vorstellungsgespr├Ąch und warten nun nur noch voller Hoffnung auf den Anruf mit der Zusage! Und dann k├Ânnte es direkt losgehen im neuen Traumjob.

Beweggr├╝nde f├╝r die Absage
Manchmal sieht die Realit├Ąt jedoch ganz anders aus. Wir bekommen die Zusage vom Unternehmen, finden uns aber pl├Âtzlich in der Situation wieder, dass wir den Job, der sich in der Stellenausschreibung so vielversprechend las, gar nicht mehr haben wollen. Die Gr├╝nde daf├╝r sind vielf├Ąltig.

Die Jobinhalte
Nat├╝rlich geben sich Unternehmen M├╝he, eine Stellenbeschreibung interessant klingen zu lassen. Dabei schlagen sie manchmal aber auch ├╝ber die Str├Ąnge und entfernen sich zu stark von den realen Inhalten, die die zu besetzende Position mit sich bringt. Resultat: Als Bewerber merken wir im Gespr├Ąch pl├Âtzlich, dass die Aufgaben uns nicht wirklich zusagen. Oder dass sie zwar zu unserem Portfolio von F├Ąhigkeiten und Erfahrungen passen, die neue Stelle f├╝r uns aber kein Schritt nach vorne ist.

Im schlimmsten Fall ist es sogar ein Schritt zur├╝ck. Wir merken vielleicht, dass wir in der Position unterfordert w├Ąren. Auch ein vern├╝nftiges Gehalt kann das nicht kompensieren. Denn fr├╝her oder sp├Ąter wird aus einer schlichten Unterforderung ein dumpfes Gef├╝hl von Langeweile, in der die Stunden einfach nicht vergehen wollen, was langfristig negative Folgen f├╝r die Arbeitsqualit├Ąt, unsere Zufriedenheit, aber auch f├╝r unsere gesamte geistige Leistung hat.

Es kann allerdings auch sein, dass wir uns von dem in Aussicht gestellten Aufgabenpaket ├╝berfordert f├╝hlen. Neues zu lernen und in F├Ąhigkeiten und Verantwortung zu wachsen, ist zwar gesund und erstrebenswert, wenn der Abstand zum bisherigen Level aber zu gro├č wird, kann aus einer solchen Herausforderung auch schnell Stress werden.

Nicht w├╝nschenswert, dennoch kommt es vor: Auch nach einem oder mehreren Vorstellungsgespr├Ąchen haben wir immer noch kein klares Bild ├╝ber den neuen Job, die Aufgaben, die Verantwortlichkeiten, die Strukturen. Wenn man uns bis zu dem Zeitpunkt, in dem man uns den Vertrag anbietet, immer noch nicht klar definieren konnte, was uns erwartet, gehen die Alarmglocken an. Denn vermutlich wird sich eine solche Unstrukturiertheit generell im Unternehmen oder im Team wiederfinden. Ein Umfeld, in dem wir zuk├╝nftig viel Energie mit unn├╝tzer Definitions- und Aufkl├Ąrungsarbeit verschwenden w├╝rden.

Das Arbeitsumfeld
Da Arbeit niemals nur Arbeit ist, sondern immer in den Kontext eines Unternehmens und eines Teams eingebettet ist, spielt auch dieser Faktor eine wichtige Rolle. Man kann im ersten Kontakt und im Vorstellungsgespr├Ąch zwar nur teilweise erkennen, wie ein Team funktioniert, aber oft genug sagt einem das Bauchgef├╝hl, ob man sich in dem Umfeld wohl f├╝hlen w├╝rde oder nicht. Die Chemie sollte im Allgemeinen stimmen. Wenn wir also grunds├Ątzlich ein negatives Gef├╝hl haben bei der Idee, dort zu arbeiten ÔÇô schlie├člich geht man jeden Tag dorthin und verbringt in der Regel ein Drittel des Tages im B├╝ro ÔÇô ist das eine schlechte Voraussetzung f├╝r eine gute Zusammenarbeit.

Der Vertrag
Auch der Vertrag selbst aber kann uns pl├Âtzlich Anlass bieten, den zum Greifen nahen neuen Job in Frage zu stellen und die Sache noch einmal zu ├╝berdenken. Tauchen dort Klauseln auf, die vorher in keiner Weise besprochen wurden, oder sind Themen nicht so festgehalten wie vereinbart, bekommen wir begr├╝ndete Zweifel, auch an der Glaubw├╝rdigkeit unseres Ansprechpartners. In den meisten F├Ąllen wird er schlie├člich im neuen Job unser Vorgesetzter sein.

Ein dem Vertrag nahestehendes Thema ist die Bezahlung. Sicherlich sprechen wir schon im Vorstellungsgespr├Ąch ├╝ber die Gehaltsvorstellungen, und auch das Unternehmen wird eine generelle Linie durchscheinen lassen, wenn nicht gar konkrete Zahlen nennen. Wir gehen in diesem Fall davon aus, dass unser Wunschgehalt unserer Qualifikation, der Erfahrung, dem Markt und dem Standort entspricht. Kommt das Unternehmen, in dem wir den neuen Job antreten wollen, unserem Gehaltswunsch jedoch in keiner Form nahe, sondern unterbietet uns in nicht zufriedenstellender H├Âhe, sehen wir uns gezwungen zwischen Chancen durch den Job und ├Âkonomischer Unzufriedenheit abzuw├Ągen.

All solche ├ťberlegungen m├╝ssen wir also anstellen, bevor wir den neuen Job annehmen und dazu den Vertrag unterschreiben. Falls wir nun aber tats├Ąchlich in einer Reihe dieser Punkte das wahrnehmen, was wir uns ausgerechnet nicht von unserem Job erhoffen, sollten wir das Jobangebot lieber ausschlagen und den Vertrag ablehnen, als dass wir uns in etwas hineinbegeben, was f├╝r uns gar nicht gut enden kann.

Wie aber unterbreite ich dem Unternehmen in richtiger Form meine Absage?
Vorweg gesagt, ist es unser gutes Recht, ein Vertragsangebot abzulehnen. Wir sind der Bewerber und haben uns und unsere F├Ąhigkeiten w├Ąhrend des Bewerbungsprozesses quasi dem Unternehmen angeboten. Wir stehen mit dem Unternehmen aber noch in keinerlei Verh├Ąltnis, das konkrete Pflichten mit sich bringt. Nichtsdestotrotz sollte man gewisse Gepflogenheiten einhalten, wenn es an die Absage des Jobangebots geht.
Da wir nicht wissen, ob wir im selben Unternehmen f├╝r eine andere Position noch einmal vorstellig werden oder dem Ansprechpartner zu sp├Ąteren Zeitpunkt noch einmal begegnen oder dieser vielleicht mit anderen Personen vernetzt ist, die wir in unserem weiteren Bewerbungsprozess kennenlernen ÔÇô wichtig ist, dass wir bis zum Abschluss der Sache professionell sind.

Der Adressat und der Zeitpunkt
Schriftlich oder telefonisch wenden wir uns an unseren Ansprechpartner aus dem Vorstellungsgespr├Ąch. Die Absage an jemand anderen zu adressieren, etwa die Sekret├Ąrin oder wen man eben gerade ans Telefon bekommt, w├Ąre schlichtweg falsch und zeugt nicht von Respekt. Wir sollten diesen Anruf oder die E-Mail auch nicht vor uns herschieben. F├╝r uns ├Ąndert sich zwar nichts. Je fr├╝her wir aber unsere Entscheidung der Absage dem Unternehmen mitteilen, desto mehr Zeit hat dieses, sich erneut dem Bewerbungsprozess zu widmen und einen anderen passenden Kandidaten f├╝r die Stelle zu finden.

Die Begr├╝ndung und der Ton
Bei unserer Entscheidungsfindung haben wir Gr├╝nde entwickelt, die schlie├člich gegen das Stellenangebot sprechen. Diese Gr├╝nde sollten wir in kurzer Form auch unserem Ansprechpartner mitteilen. Ehrlichkeit ist immer das beste Rezept, anstatt dass wir uns fadenscheinige Begr├╝ndungen ausdenken und somit am Ende nicht mehr glaubw├╝rdig wirken. Die ganze Absage und auch die Begr├╝ndung sollten wir sachlich vortragen. Selbst wenn wir vielleicht vom Verhalten des anderen oder von Inhalten des Vertrags entt├Ąuscht sind, d├╝rfen wir uns dies nicht zum Anlass nehmen, pers├Ânliche Missgunst und Schadenfreude vor unserem Ansprechpartner zu ├Ąu├čern.

Wir bedanken uns am Ende noch einmal f├╝r das Angebot und bleiben in all unseren Formulierungen professionell.
Ein schlechtes Gewissen m├╝ssen wir aber auf jeden Fall nicht haben. F├╝r uns geht es nun darum, ein neues passenden Stellenangebot zu finden.