Du oder Sie? So finden Sie sich im Job zurecht

Du oder Sie? So finden Sie sich im Job zurecht

Globalisierung, Einflüsse aus anderen Sprachen und Kulturen sowie ein modernes Image des Du tragen dazu bei, dass sich der Umgang vom Sie zum Du verschiebt. Je jünger das Unternehmen und je jünger die Kollegen im Team, desto selbstverständlicher ist es, dass man sich ohne Umschweife auch im Arbeitsalltag duzt. Ist dieser Wechsel vom Sie zum Du aber tatsächlich so einfach?

In allen Sprachen, die die Unterscheidung zwischen Du und Sie machen, ist die Verwendung des Plurals Ausdruck der Höflichkeit und des Respekts. Gegenüber Fremden, gegenüber Älteren, gegenüber Höhergestellten – in der Gesellschaft wie im Job. Beginnt man also plötzlich, jemanden zu duzen, den man bislang gesiezt hat, kann dies eine große Vertrautheit und den Übergang zu einer Freundschaftlichkeit zeigen; es kann aber auch ausdrücken, dass man die Person nicht (mehr) im selben Maße respektiert und auch nicht ernst nimmt.

Der Anbieter
In Deutschland gilt generell, dass man nicht ohne Aufforderung vom Siezen zum Duzen übergeht. Der Wechsel hat immer eine bestimmte Reihenfolge. Dabei bietet immer zuerst eine Frau dem Mann das Du an. Tut sie es nicht, wahrt sie Abstand. Außerdem hat nur der Ältere gegenüber dem Jüngeren das Recht, das Du anzubieten, umgekehrt würde es nicht von Respekt zeugen. In der Arbeitswelt hingegen werden diese Regeln durch eine andere ausgehebelt: Hier nämlich darf nur der Ranghöhere das Du vorschlagen, unabhängig von Geschlecht und Alter des Gesprächspartners.
Manche Unternehmen haben das Du als Teil ihrer Firmenkultur etabliert. Dort also duzen sich automatisch alle Kollegen untereinander, bis nach oben zur Geschäftsführung. Dies wird man normalerweise im Bewerbungsgespräch und im weiteren Prozess der Anstellung erfahren, so dass meist keine Hindernisse auftauchen. Ist das allgemeine Du aber nicht in der Firmenkultur verankert, gibt es ein paar Dinge, mit denen man bei diesem heiklen Thema auf der sicheren Seite ist.

Der Neuling
Wer neu in einem Unternehmen startet – egal, auf welcher Position – sollte zunächst konsequent siezen. Man zeigt hiermit nicht nur Respekt vor den einzelnen Personen, sondern auch vor den Gepflogenheiten in einer Abteilung, die man als Mikrokosmos erst einmal kennenlernen muss. Das unmittelbare Du würde gerade zu Beginn eines neues Jobs eine Vertrautheit zeigen, die faktisch gar nicht existieren kann und die ungewollt Barrieren umgeht, die man vielleicht als Neuling selbst noch braucht. Beim Duzen ist die Hemmschwelle viel niedriger. Neugierige Kollegen können also viel leichter in die Versuchung geraten, Sie nach Meinungen oder Ihrem Privatleben zu fragen. Bleibt man eine Weile beim Sie, werden die Kollegen Sie weniger als Privatperson wahrnehmen und einstufen, sondern mehr anhand Ihrer Leistungen in Ihrer neuen Position beurteilen. Dasselbe gilt, wenn Sie in einer leitenden Funktion einen neuen Job beginnen. Bewahren Sie sich zunächst den automatischen Respektsbonus ihrer Mitarbeiter, der mit dem Sie einhergeht.

Der gute Stil
Wie nun aber vorgehen, wenn man selbst das Du anbieten möchte? Generell gilt im Berufsleben, wie erwähnt, dass in der Hierarchie von oben nach unten das Du angeboten werden kann. Das heißt nicht, dass der Vorgesetzte seinen Mitarbeiter oder ein Teamleiter den Praktikanten automatisch duzen darf: Es muss stets verbal als Vorschlag vorgetragen werden. Mit so einem Vorschlag kann man leicht an seine Kollegen herantreten, wenn ohnehin eine lockere und moderne Kultur herrscht, wie etwa in der Werbebranche. In Wirtschaftszweigen, die für konservative Werte bekannt sind, z. B. die Finanz- oder Schifffahrtsbranche, hält man sich ggf. mit seinem Angebot zum Du zurück, wenn man feststellt, dass der allgemeine Tenor eher für das Sie steht. Unter Kollegen, die auf derselben Ebene stehen, gibt es die Regel, dass der Dienstälteste das Vorrecht hat, das Du anzubieten. Es sollte immer eine ehrliche Offerte sein – dass heißt auch, dass man im Zweifelsfall eine Ablehnung akzeptieren muss.

Das Du ablehnen
Vielleicht kommen Sie umgekehrt selbst einmal in die Situation, dass Ihnen das Du angeboten wird, Sie aber aus guten, persönlichen Gründen nicht damit einverstanden sind und ablehnen möchten. Auch hier gibt es richtiges und falsches Vorgehen. Normalerweise drückt das Angebot des Du Vertrauen und Wertschätzung aus, daher sollte man vorsichtig sein, mit welchen Worten und in welchem Ton man die Ablehnung formuliert. Dabei respektvoll und professionell zu bleiben, ist oberste Devise. Eine kurze Erklärung, etwa, dass man auf einer rein beruflichen und professionellen Ebene bleiben möchte und mit allem Respekt das Sie bevorzugt, kann helfen. Einfach nur nein zu sagen, könnte das Gegenüber doch vor den Kopf stoßen.
Auch gegenüber dem Chef ist es zulässig, das Angebot zum Du auszuschlagen. In diesem Fall ist die Angelegenheit jedoch etwas heikler, da der Chef mit seinem Angebot gewöhnlicherweise eine Art Zuwendung und Unterstützung zum Ausdruck bringt. Lehnt man seinen Vorschlag zu schroff ab, kann er sich in seiner Rolle verletzt fühlen und wird sich zukünftig vielleicht nicht mehr hinter Sie stellen. Sie müssen also genau abwägen und im Ernstfall sehr präzise Ihre dankende Ablehnung formulieren.

Du für immer?
Ist man einmal auf das Duzen eingegangen, gilt dies für immer. Innerhalb eines Tages kann man von seiner Entscheidung zurücktreten und den entsprechenden Kollegen darüber in einem kurzen Gespräch in Kenntnis setzen. Danach aber kann man es nicht rückgängig machen, weder durch einen expliziten Vorschlag noch durch die eigene Rückkehr zum Sie, in der Hoffnung, der Gesprächspartner würde diesem Beispiel irgendwann automatisch folgen. Ob Sie oder Du – wichtig ist, dass man sich stets mit Respekt und auf Augenhöhe austauscht.