Die Zukunft des Rotterdamer Hafens

Die Zukunft des Rotterdamer Hafens

Rotterdam – lange Zeit der grĂ¶ĂŸte Hafen der Welt. Das ist inzwischen Vergangenheit. In den letzten Jahren mit den Entwicklungen in China zwar von dieser Spitzenposition verdrĂ€ngt, ist Rotterdam aber immer noch der grĂ¶ĂŸte Hafen in Europa und behauptet sich als solcher stark gegen Hamburg und Antwerpen. Er hat sich kontinuierlich verĂ€ndert und den wachsenden Anforderungen des globalisierten Handels angepasst. Welche Entwicklungen wird er noch mitmachen, welche weiteren VerĂ€nderungen werden noch auf ihn zukommen?

Um die Notwendigkeiten fĂŒr jegliche Art von VerĂ€nderungen zu erkennen, bedarf es zunĂ€chst aufmerksamer Beobachtung und im nĂ€chsten Schritt dann einer Strategie und eines Konzeptes fĂŒr die Herangehensweisen, Steuerung und Umsetzung der Neuerungen. Die Hafenleitung Port of Rotterdam hat die Vision 2030 aufgestellt, die all das zusammenfasst: Rotterdam wird im Jahr 2030 (nach wie vor) der bedeutendste Hafen- und Industriekomplex von Europa sein. Rotterdam und sein Hafen sind eng verbunden mit den industriellen und logistischen Knotenpunkten von Nordwesteuropa. Durch diesen Standortvorteil angelockt, investieren tonangebende Unternehmen auch weiterhin in modernste Technologien, Infrastruktur und Innovationen. DarĂŒber hinaus sieht die Vision eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, öffentlicher Verwaltung und wissenschaftlichen Einrichtungen vor. Man erwartet, dass diese Kooperationen zu einem hochentwickelten Arbeitsmarkt, verbesserten LebensumstĂ€nden und optimaler Erreichbarkeit fĂŒhren. Die FĂ€higkeit, sich kontinuierlich an neue Gegebenheiten anzupassen, ist dabei von entscheidender Bedeutung. Der Hafen von Rotterdam spielt im Jahr 2030 eine maßgebende Rolle in Bezug auf den Wohlstand in der Region, in den Niederlanden und sogar in ganz Europa.

Auf Basis von diesen Vorstellungen hat der Port of Rotterdam eine offizielle Strategie entwickelt, in der er beschreibt, wie der Rotterdammer Hafen- und Industriekomplex sich entwickeln kann und wo er 2030 stehen will. Dies ist in einer vorbildlichen Zusammenarbeit mit BĂŒrgern, Unternehmen, öffentlicher Verwaltung und Interessenvertretungen zustande gekommen. Der Hafen strebt an, im Jahr 2030 AnfĂŒhrer auf dem Gebiet von Nachhaltigkeit und Effizienz zu sein, und fĂŒr jedes einzelne Jahr bis dahin ist ein Umsetzungsplan aufgestellt, um alle Ziele Schritt fĂŒr Schritt zu erreichen. Der Beginn wurde 2012 gesetzt, und jedes Jahr wird ĂŒber die Fortschritte und Entwicklungen ein detaillierter Bericht vorgelegt.

Hafenentwicklungen

Der Waalhaven wird zum maritimen, industriellen und logistischen Servicecluster schlechthin weiterentwickelt. Durch seine gĂŒnstige Lage (nĂ€mlich im Herzen der ganzen Sache) stellt der Waalhaven fĂŒr logistische, industrielle, maritime und unternehmerische Dienstleistungsanbieter den idealen Ort dar, um sich niederzulassen. Man sieht hier die maritime und die Leichtindustrie wachsen. FĂŒr die Zukunft von Rotterdams Hafen ist der Waalhaven wichtig, weil er mit seinen Strukturen auch immer mehr kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen anzieht.

Dordrecht Inland Seaport. Durch die einzigartige Lage – es ist der am weitesten landeinwĂ€rts gelegene Hafenabschnitt – im Zusammenspiel mit einer Wassertiefe von 9,45m birgt die Hafenentwicklung in Dordrecht enormes Potenzial. Der Bereich ist sowohl fĂŒr Ozean- als auch Binnenfahrtschiffe sehr gut zu erreichen und verfĂŒgt außerdem ĂŒber einen guten Anschluss an das Straßen- und Schienennetz. Diese Kombination von Faktoren macht das Gebiet zu einem außerordentlich geeigneten Standort fĂŒr Unternehmen verschiedener Art, die mit dem Hafen im Zusammenhang stehen, wie z. B. Firmen fĂŒr den Umschlag von MassengĂŒtern, logistische Dienstleistungen und die maritime produzierende Industrie. Die Weiterentwicklung des Gebietes richtet sich vor allem auf die rĂ€umliche Ausbreitung von mit dem Hafen zusammenhĂ€ngenden AktivitĂ€ten in diesem Gebiet.

Maasvlakte 3?

Im Mai 2012 wurde die Maasvlakte 2 eingeweiht und in Gebrauch genommen. Mit diesem kĂŒnstlich angelegten Gebiet in der GrĂ¶ĂŸe von 2000 Hektar ist der Hafen um 20% grĂ¶ĂŸer geworden. Und durch den stetig zunehmenden Seeschiffsverkehr im Rotterdamer Hafen wird er sich wohl in den kommenden Jahren weiter ausdehnen. Auf den Fluren an entsprechender Stelle wird daher schon leise von der Maasvlakte 3 gesprochen. Ist noch eine zusĂ€tzliche solche FlĂ€che eine Option? In der offiziellen Zukunftsvision, von der schon die Rede war, ist die Maasvlakte 3 bisher nicht enthalten. Die bestehende Maasvlakte 2 hingegen ist ein wichtiger Bestandteil der Zukunftsvision und wird in den kommenden Jahre weiter verbessert und ausgebaut. Dadurch kann der Hafen unter anderem seine Position als wichtiges Drehkreuz stĂ€rken, sowohl fĂŒr Container als auch fĂŒr andere Fracht. DarĂŒber hinaus bietet Maasvlakte 2 auch bereits Platz fĂŒr Entwicklungen im Energie- und Chemiecluster von Rotterdam. Durch solche Weiterentwicklungen und die Zusammenarbeit mit anderen Hafeneinheiten wird also die Maasvlakte 3 vorerst noch nicht notwendig sein.

Nicht nur der Hafen

Die Zukunftsvision fĂŒr 2030 und die entsprechenden Entwicklungen im Hafen werden dafĂŒr sorgen, dass Rotterdam mit seinem Hafen ein wichtiger Spieler in der Welt ist und bleibt. Zur Zeit werden schon viele AktivitĂ€ten von Robotern ausgefĂŒhrt, was im Zuge der Automatisierung in Zukunft noch zunehmen wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass es weniger ArbeitsplĂ€tze geben wird. Im Gegenteil rechnet man damit, dass mit dem sich ausdehnenden und sich weiterentwickelnden Hafen zunĂ€chst sogar weitere neue Stellen entstehen werden, was neue ArbeitskrĂ€fte und auch neue Bewohner anziehen wird.
In diesem Zusammenhang sind nicht nur die Entwicklungen und Erweiterungen des Hafengebiets selbst bedeutend fĂŒr den Rotterdamer Hafen, sondern auch die Entwicklung aller möglichen anderen Dinge, die den Hafen durchlaufen und mit ihm im Zusammenhang stehen. Innovationen auf breitem Gebiet also. Zum Thema Nachhaltigkeit zum Beispiel gibt es wahrscheinlich bald eine Reihe von Frachtschiffen, die mit Strom aus Windkraft fahren, was die Stadt und ihre Bewohner mit weniger Abgasen belasten wĂŒrde. Mit Blick auf die attraktive LebensqualitĂ€t und FreizeitaktivitĂ€ten fĂŒr Bewohner und Besucher, gibt es eine einzigartige, 2015 entstandene Initiative, die zum Ziel hat, einen Kanal in ein Surfwalhalla umzuwandeln.
Rotterdam und alle Menschen, die an diesem großen Komplex, der sich Hafen nennt, mitarbeiten, nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Die Herausforderungen auf dem internationalen Parkett sind groß, aber mit Innovationsgeist, Mut und Willen zur Weiterentwicklung und VerĂ€nderung kann Rotterdam weiterhin ganz vorne mitspielen, ohne seinen eigenen Charakter zu verlieren. Dass es ĂŒber die Grundvoraussetzungen dazu verfĂŒgt und vielleicht auch eine kleine Extraprise Fortschrittsdenken und KreativitĂ€t besitzt – das hat es in den letzten Jahren und Jahrzehnten bewiesen. Also, volle Fahrt voraus!