Die Straße von Hormus

Die Straße von Hormus

Die Straße von Hormus gerät immer wieder in die Schlagzeilen der internationalen Nachrichten. Meist aus politischen Gründen. Welche Bedeutung sie aber für die Weltwirtschaft und den internationalen Handel hat und welche Entwicklungen es in der Region gibt, bleibt vielen Leuten unbekannt.

Die Straße von Hormus liegt im Mittleren Osten und bildet den Übergang vom Persischen Golf zum Golf von Oman und weiter ins Arabische Meer und den Indischen Ozean. Im Norden wird sie flankiert vom Iran, im Süden von der Arabischen Halbinsel. Schon in der Antike war sie für die dort siedelnden Hochkulturen eine bedeutende Schifffahrtsstraße, in der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste Handelsroute auf dem Weg zwischen Europa und Indien. Heute liegt sie mitten auf der Seeroute der Erdöl- und Gastransporte der Erdöl exportierenden Länder der Region. Saudi Arabien, Kuweit, der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain und der Iran schicken ihre Tanker durch dieses Nadelöhr nach Asien, Europa und Amerika. Etwa ein Drittel des global verbrauchten Erdgases (vor allem aus Katar) sowie knapp ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung oder, anders dargestellt, ein Drittel des per Seeweg gehandelten Erdöls laufen hier entlang. Im ersten Halbjahr 2018 waren es 17,4 Mio. Barrel am Tag. Der globale tägliche Verbrauch durch vor allem Industrie, aber auch Privatverbraucher (in Form von Heizöl, Benzin und Diesel) liegt bei knapp 100 Mio. Barrel pro Tag.

An ihrer engsten Stelle ist die Straße von Hormus lediglich 33 km breit, die Fahrrinne ist für beide Richtungen jedoch nur jeweils 3 km breit, weil die Wassertiefe an anderen Stellen nicht für Öltanker ausreicht. Die internationale Seeroute funktioniert in diesen virtuellen Spuren nach den Regeln des Verkehrstrennungsgebiets (VTG oder englisch TSS), getrennt sind beide Spuren durch einen drei Kilometer breiten Median. Die Öltanker durchfahren auf ihrem Weg sowohl iranisches als auch omanisches Hoheitsgebiet.

Da es in der Region in der Vergangenheit immer wieder zu Spannungen gekommen ist, wurden von den Ländern, die die Wasserstraße umgeben, inzwischen einige Alternativrouten geplant und in Betrieb genommen. Die Irak-Saudi-Arabien-Pipeline (IPSA) umgeht gänzlich den Persischen Golf und führt vom Irak durch Saudi Arabien zum Roten Meer. Allerdings ist sie seit dem letzten Irak-Krieg nicht mehr in Betrieb. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben vor ein paar Jahren die Habschan-Fujairah-Pipeline in Betrieb genommen, die von den Habschan-Feldern in Abu Dhabi nach Fujairah am Golf von Oman führt und damit ebenfalls de facto die Straße von Hormus umgeht.

Dort im Hafen von Fujairah liegen Raffinerien und Tankerhafen direkt beieinander. Die Gesamtlagerkapazität der Erdölzone Fujairah liegt bei 8,8 Mio. Kubikmeter, die tägliche Ausgabemenge bei 1,5 Mio. Barrel (1 Barrel entspricht 0,16 m3), die direkt an die Erdölexportterminals mit ihren neun Liegeplätzen gehen. Geplant sind Kapazitätserweiterungen auf bis zu 3,5 Mio. Barrel am Tag.

In 2017 gab es erneute Gespräch, ob Saudi Arabien und der Irak die IPSA wieder in Betrieb nehmen. Nach einer Modernisierung könnten auf ihr 1,65 Mio. Barrel am Tag gefördert werden – auch zusammen mit dem Volumen in Fujairah ist die Ziffer jedoch noch weit entfernt von den über 17 Mio. Barrel, die durch die Straße von Hormus gehen. Hinzu kommt, dass der Umschlagplatz in der Region Djidda am Roten Meer den Öltransport auf dem Seeweg nach Asien erheblich verlängert. Von den 17,4 Mio. Barrel Erdöl gehen nämlich rund 85% nach Asien, vor allem nach China, Japan, Indien und Südkorea.

Ob sich hieraus also dauerhafte Alternativen zum Transport durch die Straße von Hormus ergeben, muss sich zeigen. Angesichts der weltweiten Nachfrage nach Erdöl und dessen Derivaten aber scheint es eher unwahrscheinlich, dass die zur Zeit bestehenden alternativen Linien ihre Frequenz derart erhöhen könnten, dass sie den Transport durch die Straße von Hormus ablösen würden.