Die Fußball-WM 2018 und die Logistik

Die Fußball-WM 2018 und die Logistik

Wie alle vier Jahre ist schon seit einiger Zeit wieder das Virus namens Fußball-WM im Umlauf. Endgültig ausgebrochen ist es weltweit mit der Eröffnung der Weltmeisterschaft in Russland am 14. Juni 2018. Die Nationalmannschaften aus 32 Ländern spielen um den Titel, der nach dem Endspiel am 15. Juli im Luzhniki-Stadion in Moskau verliehen wird. In dieses Stadion passen sagenhafte 81.000 Zuschauer; das verhältnismäßig kleinste bei der WM genutzte Stadion liegt in Kaliningrad und fasst 35.000 Fans. Genaue Besucherzahlen gibt es selbstverständlich erst nach dem Großereignis. Rechnet man allerdings die Kapazitäten aller Stadien zusammen, ergibt sich eine Zuschauerzahl von über 582.000, die sich durch hier und dort leere Plätze zwar reduziert, sich aber wiederum dadurch drastisch erhöht, dass in einigen Stadien mehrere Spiele ausgetragen werden.

Viele, viele Menschen also, die die Wettkämpfe besuchen, aus dem Inland wie auch aus dem Ausland. Menschen, die irgendwo wohnen, die von einem Ort zum anderen fahren. Die an den Austragungsorten Speisen und Getränke konsumieren, Fanartikel und sonstiges Marketingmaterial der Fifa oder von sportverwandten Firmen kaufen, die Souvenirs mit nach Hause nehmen. Und die – leider – auch viel Müll produzieren. Hinzu kommen die Mannschaften, die mit Spielern, Ersatzspielern, Trainern, Beratern, Ärzten, Physiotherapeuten, Köchen, Kleidung und sonstiger Ausrüstung von einem Austragungsort zum anderen reisen. In zwölf Stadien wird die WM 2018 in Russland ausgetragen. Und die Distanzen sind gewaltig. Zwischen dem westlichsten in Kaliningrad an der Ostsee und dem östlichsten in Jekaterinburg jenseits des Ural liegen 2482 Kilometer, zwischen dem nördlichsten in St. Petersburg am finnischen Meerbusen und dem südlichsten in Sotchi am Schwarzen Meer liegen 1925 Kilometer. Alles in allem ist so eine WM ein gigantischer Apparat von logistischen Leistungen, die letztendlich einen reibungslosen Ablauf mit möglich machen.

Milliarden kostet die gesamte Planung, Organisation und Umsetzung einer WM; und es scheint, dass im Vierjahresrhythmus mehr Geld in die Hand genommen und für das Ereignis ausgegeben wird. Damit es zu einem echten Spektakel wird. Schließlich verspricht eigentlich jedes Gastgeberland, dass es die schönste, beste, beeindruckendste Weltmeisterschaft bieten wird und damit die Vorgänger in den Schatten stellt. Mit Superlativen wird nicht gespart. Das Geld, dass im Rahmen einer Weltmeisterschaft im Umlauf ist, geht dabei natürlich nicht nur in den Bau und die Modernisierung von Stadien, sondern auch an all die Unternehmen, die vom Anfang bis zum Ende die Organisation und Umsetzung auf die Beine stellen, vor allem in der Veranstaltungs- und der Transportlogistik.

Die deutsche Nationalmannschaft hat verloren und ist nicht mehr Teil der WM. Aber deutsche Logistikunternehmen waren von Anfang an mit dabei und spielen immer noch bei diesem Gewinnspiel mit. Laut Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags Volker Treier sind etwa vierzig deutsche Unternehmen verzeichnet, die durch die Fußballweltmeisterschaft in Russland zusätzliche Aufträge bekommen haben. Es sind dies vor allem Technik-, Bau- und Logistikunternehmen, die in Themen der Infrastruktur und Logistik aktiv wurden oder noch immer aktiv sind. Die Aufträge haben ein Volumen von geschätzten zwei bis drei Milliarden Euro. Manche Unternehmen werben mit speziellen WM-Paketen und bieten ihren Kunden an den Spielorten umfassende Angebote für die Transport- und Logistikabwicklung.

Umgerechnet etwa 3,8 Milliarden Euro investierte Russland in Projekte zum Ausbau von Infrastruktur und Verkehr. Vorrang hatten dabei die Modernisierung und die Erweiterung von Flughäfen sowie der Ausbau des Straßennetzes, der vor allem in der Provinz zur Verbindung der einzelnen Regionen beitragen soll und langfristig ökonomische Entwicklungen begünstigt. Außerdem wurden sowohl auf föderaler als auch kommunaler Ebene logistische Lösungen ausgearbeitet, um den erwarteten Massenansturm von Passagieren in der Luft und auf der Straße bewältigen zu können. In den drei Metropolen mit U-Bahn-Netz, Moskau, St. Petersburg und Kazan, rechnet man zusätzlich etwa fünzig- bis achtzigtausend Fußballfans und WM-Touristen, die die täglichen Passagierströme belasten. In anderen Städten muss das Bussystem das Passagieraufkommen bewältigen. Auch spezielle Shuttle-Services wurden eingerichtet. Die FIFA verfügt über kleinteilig ausgearbeitete Verkehrsmanagementkonzepte, die in den letzten Jahren auch schon in Deutschland, Südafrika und Brasilien ihre positive Wirkung gezeigt haben. Nun werden sie auch in Russland angewendet. Mit dem Unterschied, dass Russland in seiner Fläche fast 48 Mal größer ist als z. B. Deutschland und somit jegliche Logistik- und Verkehrsplanung für diese WM in allen Belangen, sei es Passagierbeförderung oder Materialtransport, enorme Ausmaße annimmt. Eine Herausforderung, an der Russland wachsen kann.

Dies gilt es in vier Jahren, also 2022, aufs Neue zu bewältigen – dann in Qatar. Mit neuen Voraussetzungen und neuen logistischen Herausforderungen.