Die Frage nach der Gehaltserhöhung

Die Frage nach der Gehaltserhöhung

Fragen kostet nichts und wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Dies gilt auch, wenn Sie sich eine Gehaltserhöhung wünschen. Wünschen allein reicht nicht. Denn Ihr Chef wird Ihre Gedanken nicht lesen. Und selbst wenn er es könnte, liegt es meist in der Natur eines Chefs, dass er Ihnen nicht von sich aus eine Gehaltserhöhung anbietet. Für viele Menschen ist es unangenehm, nach einem höheren Gehalt zu fragen, muss es aber eigentlich gar nicht sein. Einmal pro Jahr ist ein solchen Gespräch durchaus normal, wenn sich Ihre Position nicht verändert. Mit einer Jobveränderung gehen natürlich sowieso neue Verhandlungen einher.

Der Termin
Nehmen Sie also Ihren Mut zusammen und sprechen Sie Ihren Chef auf das Thema an. Am besten vereinbaren Sie dazu einen Termin mit ihm. Eine Gehaltserhöhung in der Kaffeeküche oder zwischen zwei Meetings zu führen, macht keinen sonderlich professionellen Eindruck und kann bei Ihrem Chef den Eindruck erwecken, Sie würden das Thema gar nicht so ernst nehmen und er käme sehr locker und einfach aus der Sache wieder heraus. Außerdem bieten Sie ihm die Möglichkeit, sich angemessen mit der Sache auseinanderzusetzen.

Die Vorbereitung
Wenn der Termin steht, sollten Sie sich vorbereiten. Das heißt zum einen, dass Sie ihr derzeitiges Gehalt und wie es sich zusammensetzt kennen sollten. Informieren Sie sich zur besseren Orientierung über Branchengehälter in vergleichbarer Position und mit vergleichbarer Arbeitserfahrung. Wenn Sie ein gutes Verhältnis zu Kollegen haben, können Sie auch mit ihnen sprechen, um beispielsweise zu erfahren, in welchen Abständen und wann ein Kollege zum letzten Mal eine Anpassung des Gehalts bekommen hat. Überlegen Sie sich im Vorfeld mit welcher Art von Erhöhung sie zufrieden wären. Möchten Sie etwa Ihr Basisgehalt anheben? Oder den Bonus erhöhen? Oder andere Bezuschussungen erhalten? Sinnvoll ist es in diesem Zusammenhang auch, dass Sie vor dem Gespräch mit dem Chef eine Steuerrechnung aufstellen. Denn schließlich nützt die Gehaltserhöhung Ihnen nicht viel, wenn Sie am Ende durch eine höhere Steuerbelastung kaum mehr auf dem Konto haben als zuvor.

Das Timing
Es liegt fast auf der Hand, dass es gute und schlechte Momente für die Bitte um eine Gehaltserhöhung gibt. Wenn das Geschäft gerade nicht so gut läuft – und der Chef entsprechend weniger gut gelaunt ist – sollten Sie nicht auf einem Termin beharren. Warten Sie ein paar Wochen, vielleicht sogar ein paar Monate ab, bis die Geschäftslage sich verbessert hat oder Sie selbst einen Erfolg für sich verbuchen können. Der finanzielle Druck ist ein anderer, und damit herrscht allgemein eine bessere Stimmung im Umgang zwischen dem Management und den Mitarbeitern.

Das Gespräch
Erwarten Sie im Gespräch nicht nur, dass Ihr Chef auf Sie und Ihre Bedürfnisse eingeht. Seien Sie ihm einen Schritt voraus, indem Sie auf ihn eingehen. Und zwar auf seine Persönlichkeit und seine Verhaltensweise. Haben Sie einen dominanten Chef, brauchen Sie in der Verhandlung ein gewisses Durchhaltevermögen. Gegebenenfalls kann es helfen, wenn Sie auch ihm genügend Raum geben, sich zu präsentieren. Das ist ein großer Balanceakt, denn Sie wiederum dürfen in dem Gespräch auch nicht untergehen. Aber Chefs, die sich selbst und ihre Chefrolle sehr ernst nehmen, wollen so auch von ihren Mitarbeitern wahrgenommen werden. Ist Ihr Chef ein sehr sachlicher Typ, können Sie die Verhandlung am besten mit Zahlen und Fakten sowie Informationen zu Ihrer bisherigen Entwicklung im Unternehmen und Ihren Erfolgen bestreiten. Wenn sich Ihr Chef außer für Betriebszahlen auch noch für die Mitarbeiter als Personen interessiert und Sie generell ein gutes Verhältnis zu ihm haben, können Sie ihm auch ein paar Dinge aus Ihrem Lebens erzählen. Er wird sich vielleicht freuen, etwas über Sie als Privatperson zu erfahren. Aber seien Sie an dieser Stelle vorsichtig: Nicht zu privat und vor allem nichts, was danach klingen könnte, als wollten Sie Mitleid erwecken.

Die Argumente
So nett Ihr Chef Sie auch finden mag – wenn es um eine Gehaltserhöhung geht, werden Sie Argumente liefern müssen. Argumente und Fakten, die Sie in ein gutes Licht stellen. Schließlich werden Sie für Ihre Qualitäten bezahlt. Machen Sie sich also bewusst, welchen Mehrwert Sie generell als Person mit Ihrer Ausbildung und Erfahrung für das Unternehmen darstellen. Zeigen Sie Ihrem Chef auf, wie Sie sich entwickelt haben und welche Erfolge Sie für das Unternehmen erreicht haben. Wenn in Ihrem Unternehmen mit Zielvereinbarungen gearbeitet wird, können Sie diese Ziele als Grundlage für das Gespräch nehmen. Die platte Bitte um Ausgleich der Inflationsrate hingegen wirkt eher negativ. Auch sollten Sie nicht zum Vergleich auf andere Kollegen verweisen, denn dies kann schnell als Diffamierung umgedeutet werden.

Das Angebot
Entweder am Ende des Gesprächs oder in einem zweiten Termin wird Ihr Chef Ihnen eine Zahl unterbreiten. Vielleicht fragt er Sie auch zuerst, was Sie sich vorstellen. Sie sollten also etwas parat haben. Solche Gespräche gleichen oft der Gehaltsverhandlung vor der Einstellung in einem Unternehmen. Machen Sie sich also auf eine Verhandlung gefasst, denn jede Seite möchte mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Daher setzen Chefs ihr Angebot meist etwas niedriger an, Sie sollten entsprechend etwas höher pokern. Solange Ihre Forderungen nicht unverschämt sind, haben Sie nichts zu verlieren. Zu frühes Aufgeben führt bei Ihnen zu Frust und schadet Ihrer Position für zukünftige Gespräche. Sie brauchen Durchhaltevermögen und sollten sich auch Alternativangebote überlegen. Wenn der Chef nicht bereit ist, Ihr Grundgehalt anzuheben, können Sie sich vielleicht auf einen laufenden oder einmaligen Bonus einigen. Wenn Sie ohnehin mit Bonussystem arbeiten, kann dieser erhöht werden, oder Sie bringen andere Vergünstigungen, z.B. mehr Urlaubstage, ein Diensthandy, einen Firmenwagen oder eine teure Weiterbildung, die Sie immer schon machen wollten, ins Gespräch.

Der Abschluss
Entweder geht Ihr Chef auf Sie ein und Sie einigen sich direkt. Oder er geht dem Thema aus dem Weg und verschiebt es (unkonkret) in die Zukunft. Auch dann sollten Sie Ihre Beharrlichkeit nicht verlieren. Zeigen Sie, dass Sie bereit sind, zum Zeitpunkt X noch einmal das Gespräch aufzunehmen. Das erhöht den Druck auf Ihren Chef und zeigt gleichzeitig Ihre Flexibilität und Bereitschaft, Ihre Belange ein Stück weit den Unternehmensentscheidungen anzupassen. Wenn in der Verhandlung schon halbwegs konkrete Angaben gemacht wurden, halten Sie diese in einer E-Mail an Ihren Chef zur Besprechung beim nächsten Termin fest. Darauf können Sie aufbauen und vielleicht unterschreiben Sie schon bald Ihre gewünschte Gehaltserhöhung.



blog comments powered by Disqus