Die Bewerbungsunterlagen: Qualität statt Quantität

Die Bewerbungsunterlagen: Qualität statt Quantität

Ob bei der ersten Bewerbung nach der Ausbildung oder dem Studium oder im Laufe der beruflichen Karriere für den nächsten Sprung nach vorne – jedes Mal, wenn wir uns um eine Stelle bewerben, müssen wir unsere Unterlagen parat haben und damit beim Unternehmen für uns werben. Sie sind das erste Element, das das Unternehmen von uns erhält und das etwas über uns als Person und als Mitarbeiter preisgibt.

Vollständig vs. ausufernd
Die Bewerbungsunterlagen müssen vollständig sein, Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse erhalten. Aber schon in dieser Zusammenstellung müssen wir darauf achten, nur relevante Zeugnisse beizufügen. Urkunden vom Sport oder bei fortgeschrittener beruflicher Erfahrung das Abiturzeugnis sind definitiv fehl am Platz. Uns muss bewusst sein, dass die Menge der Zeugnisse die Bewerbungsunterlagen nicht aussagekräftiger macht, sondern dem Personaler im Zweifelsfall nur überflüssiges Lesematerial bietet und bei ihm die Frage hervorruft, aus welchem Grund der Bewerber die eine oder andere Bescheinigung überhaupt eingereicht haben. Was aber sind die relevanten Zeugnisse?
Geht es um den Berufseinstieg nach dem Studium, ist das Studienzeugnis wichtig und außerdem Zeugnisse, die zu Praktika oder Werkstudententätigkeiten gehören. Wenn wir schon einige Jahre Berufserfahrung haben, legen wir nur noch die Arbeitszeugnisse für die Zeit nach dem Studium vor. Es sei denn, dass eine inhaltsreiche Praktikum zu Studienzeiten war ausgerechnet beim Konkurrenzunternehmen und zeigt damit, dass wir sehr konkrete und interessante Branchen- oder Produktkenntnisse mitbringen.

Die Qualität des Lebenslaufes
Innerhalb der Bewerbungsunterlagen ist der Lebenslauf das Kernstück, mit dem sich der Personaler am meisten befassen wird, dieses Papier gibt schließlich einen Gesamtüberblick über den Werdegang. Nicht zu Unrecht sprechen viele Experten davon, man solle den Lebenslauf auf zwei Seiten beschränken, denn auch hier geht es darum, mit Qualität und nicht mit Quantität zu überzeugen. Letzten Endes können wir mit der Qualität unseres Lebenslaufes in gewisser Weise die Aufmerksamkeit des Personalers steuern und für uns gewinnen. Das werden wir mit einem Lebenslauf, der schlichtweg überfüllt und im schlimmsten Fall auch noch unstrukturiert ist, nicht schaffen. Wir sollten nicht dem Personaler die Aufgabe aufbürden, sich das Wichtigste aus unserem Lebenslauf herauszusuchen. Im Gegenteil müssen wir die Informationen so aufbereiten, dass er sofort sehen kann, wie passend man für die Vakanz ist.

Direkte Information
Im Lebenslauf geht es um unsere Qualifikation, unsere Erfahrung und unsere Fähigkeiten. Zum Teil sind das einfach harte Fakten, die dargestellt werden müssen:
Welchen Schulabschluss habe ich?
Was für eine Ausbildung habe ich abgeschlossen?
Was haben ich studiert? Wo, mit welchen Schwerpunkten und welchem Abschluss?
Habe ich durch Studium oder Beruf Auslandserfahrung gesammelt?
Über welche Sprachkenntnisse verfüge ich und auf welchem Niveau?
Welche Berufserfahrung habe ich gesammelt? In welcher Branche und mit welchen Schwerpunkten?
Habe ich Zusatzqualifikationen erworben?

Die zwei Formen des Lebenslaufes
Damit wir stets einen Überblick haben und im Falle einer Bewerbung nichts vergessen, können wir uns eine ausführliche Variante unseres Lebenslaufes anlegen. Dort steht alles drin von der Schule über die Ausbildung oder das Studium einschließlich Schwerpunkte bis hin zur Berufserfahrung. Diese sollten wir bereits bei Werkstudententätigkeiten und Praktika beginnen lassen und bis zum aktuellen Zeitpunkt fortführen. Darüber hinaus nehmen wir in diese lange Version Sprachkenntnisse, Seminare und Fortbildungen, die wir besucht haben, und Hobbies auf. Also schlichtweg alles, was zu uns gehört. Diesen Lebenslauf sollten wir immer auf dem neusten Stand haben, um ihn als Grundlage nutzen zu können. In zwei Jahren erinnert man sich vielleicht nicht mehr genau, wie die Vortragsreihe hieß, die man besucht hat und zu der es keine Teilnahmebescheinigung gab. Diese lange Version dient als Grundlage für alle weiteren Lebensläufe, sollte aber niemals verschickt werden.

Sobald wir in der Situation sind, uns für eine ausgeschriebene Stelle zu bewerben, können wir anhand dieses ausführlichen Standardlebenslaufes unsere Bewerbung für den erhofften neuen Job erstellen. Und hier müssen wir nun genau und angemessen filtern und sortieren. Um unseren Lebenslauf auf das Jobangebot abzustimmen, müssen wir uns einiger Aspekte bewusst werden und uns im Vorfeld mit ein paar Themen beschäftigen.
Wofür steht das Unternehmen, bei dem ich mich bewerben? Was ist seine Philosophie, welche Werte vertritt es?
In welchem Bereich genau ist die Stelle angesiedelt? Welche möglichen Schnittstellen gibt es?
Welche Qualifikationen und Fähigkeiten scheinen unabdingbar für den neuen Job und warum?
Womit kann ich mich in Bezug auf die Vakanz von anderen Bewerbern abheben?

Wenn wir uns derartige Fragen beantwortet haben, können wir daran gehen, unseren Lebenslauf entsprechend umzubauen und anzupassen. Wenn unser Aufgabenspektrum in einer Position sehr vielfältig war und mehrere Bereiche abdeckte, wir uns nun aber z. B. für eine Position im Marketing bewerben, legen wir den Fokus auf die Darstellung von Marketingaufgaben und lassen die anderen weg bzw. erwähnen diese weniger. Ist die neue Position in einem internationalen Umfeld angesiedelt, geben wir unbedingt explizit im Lebenslauf an, dass wir in einer vergangenen Position Englisch als Arbeitssprache hatten. Sehen Sie in der Stellenausschreibung, dass dem Kandidaten für die Zukunft Weiterbildungsmöglichkeiten in Aussicht gestellt werden, scheint dies Teil der Unternehmenskultur zu sein. In einem solchen Fall punkten wir sicherlich durch die Erwähnung von Seminaren und Workshops, die wir (auch privat) besucht haben. Denn dies zeigt Interesse, Eigeninitiative und Willen, den Horizont zu erweitern.

Insgesamt geht es nicht platt darum, dem Unternehmen zu zeigen, wie toll wir sind. Natürlich ist das Ziel, sich selbst in ein positives Licht zu stellen und die eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen zu beleuchtet. In der Gesamtbetrachtung aber müssen wir kompatibel sein: zum Unternehmen und der Kultur, zum Team, zur ausgeschriebenen Position. Wir müssen einen Mehrwert für das Unternehmen darstellen, denn schließlich ist aus Unternehmenssicht die Besetzung einer Stelle immer eine Investition. Wir müssen also nicht erst im Vorstellungsgespräch, sondern bereits in unseren Bewerbungsunterlagen aufzeigen, dass sich die Investition in uns lohnt und dass am Ende beiden Seiten gewinnen.