Der Sueskanal

Der Sueskanal

Der internationale Seehandel ist das Kernstück für den Transport von Waren rund um den Globus. Kein Transportmittel ist so kostengünstig, und daher werden rund 62% des innereuropäischen Warentransports und fast 98% auf interkontinentaler Ebene über die Weltmeere abgewickelt.

Ein Nadelöhr zwischen West und Ost, zwischen Europa, Asien und Teilen Afrikas ist der Suezkanal, durch den gut ein Zehntel des weltweiten Seehandels läuft. Vor knapp 150 Jahren, Ende 1869, wurde er nach zehn Jahren Bauzeit eröffnet und verbindet seitdem das Mittelmeer von seinem Eingangshafen Port Said mit dem Roten Meer und dem dortigen Hafen Sues, der dem Kanal den Namen gab. Ein Anlass, um sich einmal mit diesem Kanal zu befassen, der, als ein zusammenhängender Kanal betrachtet, immer noch der längste der Welt ist.

Ein Wahnsinnsbauprojekt, insbesondere wenn man die Umstände der damaligen Zeit berücksichtigt – es war wohl weltweit das größte und ambitionierteste zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Gebaut wurde mitten in der und durch die Wüste, fernab von bereits vorhandener Infrastruktur. Für die Versorgung und Unterbringung der Arbeiterschaft mussten zunächst grundlegende Einrichtungen geschaffen werden. Zu Beginn der Arbeiten, bevor erste Wege angelegt waren, wurden Trinkwasser und Nahrungsvorräte mit bis zu 1800 Lastkamelen antransportiert. Sämtliche Baumaterialien, Baumaschinen, Werkzeuge, Kohle und Holz wurden aus Europa importiert. Ein großer logistischer Aufwand.

Die Fertigstellung und schließlich die Eröffnung des Sueskanals brachte bahnbrechende Veränderungen für den internationalen Handel und die weltweiten Mächteverhältnis mit sich. Zwischen den beiden heutigen Riesenhäfen Rotterdam und Singapur müssen bei Fahrt um Afrika herum 11.755 Seemeilen (21770,26 km) zurückgelegt werden. Die Passage durch den Sueskanal verkürzt die Strecke erheblich auf 8.281 Seemeilen (15336,41 km).

Zwanzig Jahre nach Inbetriebnahme wurde 1888 in der Konvention von Konstantinopel festgelegt, dass der Kanal von allen Schiffen aller Staaten, also Handels- aber auch Kriegsschiffen befahren werden darf, und zwar ohne Einschränkung zu Friedens- und Kriegszeiten. Es gibt lediglich die Einschränkung, dass Marineschiffe sich im Krieg befindlicher Staaten nicht anlegen dürfen und nicht versorgt werden. Diese Konvention hat bis heute ihre Gültigkeit.

Wie andere Kanäle hat auch der Sueskanal über die Jahre diverse Modifizierungen erlebt. Leichte Veränderungen der Wasserführung gehören dazu, aber auch Vertiefungen und Erweiterungen der Fahrrinne. Die letzte Vertiefung wurde 2009 abgeschlossen. Seitdem misst der Sueskanal einschließlich seiner nördlichen und südlichen Zufahrtskanäle 193,3 km. Da Mittelmeer und Rotes Meer kaum Höhenunterschied haben, ist der Kanal komplett schleusenfrei. Er hat im Norden eine Breite von bis zu 345 m an der Wasseroberfläche, je nach Pegel, und 215 m an der Sohle; im Süden sind es bis zu 280 m an der Oberfläche und 195 m an der Sohle. Die Tiefe erreicht, je nach Wasserstand, 19 bis 24 m.

2015 wurde ein zweiter Kanalabschnitt eröffnet, der auf einer Strecke von 37 km parallel zum alten Sueskanal verläuft. In diesem Bereich läuft der Schiffsverkehr nun in beide Richtungen. Im alten Kanal kann nur in eine Richtung gefahren werden. Daher durchfahren die Schiffe den Kanal in Schichten und außerdem im Konvoi mit einem Abstand von zwei bis drei Kilometern zwischen einander. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 8 Knoten, das entspricht etwa 15k/h. Damit dauert die Durchfahrt des Kanals ungefähr 14 Stunden, gefahren wird Tag und Nacht.

Verantwortlich für sämtliche Aktivitäten im und um den Sueskanal ist die Betreibergesellschaft Suez Canal Authority (SCA). Die SCA entstand 1956 mit der Nationalisierung des Kanals. Im Rahmen der dadurch hervorgerufenen Sueskrise entriss Präsident Nassr den Briten die Eigentums- und Verwaltungsrechte, und seitdem ist die SCA als eine Art Anstalt öffentlichen Rechts Betreiber, Eigentümer und Verwalter des Sueskanals.
Im Geschäftsjahr 2017/2018 (Mai bis April) verzeichnete die SCA die historischen Rekordeinnahmen in Höhe von knapp 5,6 Mrd. US-Dollar, mit einer Steigerung von 11,5% im Vergleich zum Vorjahr. 2018 durchfuhren insgesamt 18.078 Frachtschiffe (und 96 Passagierschiffe) den Kanal und befördert 1.139.629 Tonnen Ware. Die SCA legt dabei Wert auf intensive Kundenbetreuung, kontinuierliche Optimierung der Dienstleistungen und Einrichtungen, um schließlich eine Maximierung der Möglichkeiten und eine langfristige Stärkung der eigenen Position im internationalen Warenverkehr zu erreichen. Nicht zuletzt spielt dafür auch die Sicherheit eine große Rolle. Die Unfallrate im Sueskanal geht gegen Null, was auch durch eines der modernsten Überwachungssysteme möglich ist, welches mit Hilfe eines feinen Radarnetzwerkes jede Ecke des Kanals im Blick hat. Wie auch schon in der Vergangenheit geschehen, sind die SCA und die ägyptische Regierung außerdem je nach zukünftigem Bedarf bereit, den Kanal, weiter auszubauen und zu vertiefen.

Bereits die Pharaonen im Alten Ägypten begannen in Etappen und in etwas anderer Streckenführung ähnliche Kanalbauten. Der Perserkönig Dareios I (521 bis 486 v. Chr.) vollendete schließlich einen ersten Kanal vom Mittelmeer zum Roten Meer, was in vier Stelen am Ufer dokumentiert ist. Schon damals wussten die Mächte um die Bedeutung für Handel und Transport über die Weltmeere. Was vor fast 3000 Jahren zum ersten Mal geplant und begonnen wurde, ist auch heute noch eine der wichtigsten Wasserstraßen und einer der wichtigsten Knotenpunkte für den Welthandel.