Arbeiten von überall – das Ende des Großraumbüros

Arbeiten von überall – das Ende des Großraumbüros

Solange mir ein Internetanschluss zur Verfügung steht, kann ich an jedem beliebigen Ort arbeiten. Erzähle ich davon in meinem Bekanntenkreis, ernte ich meist skeptische Blicke und es gibt kritische Nachfragen, wie: “Arbeitest du dann überhaupt richtig?”

Der Arbeitsplatz als solcher hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Veränderungen durchlaufen. Flexible Arbeitszeitmodelle, gesundheitliche Erkenntnisse und auch Möglichkeiten der Kostenersparnis gehören zu den ausschlaggebenden Faktoren. Mit der Verbreitung des Internets ist Arbeit zudem immer ortsungebundener geworden.

Wie eingangs bereits deutlich wurde, sind mit diesen Veränderungen immer auch Ängste verbunden. Im Dreieck Produktivität, Zufriedenheit und Kosteneffizienz schätzen viele Menschen besonders die Produktivität als kritischen Punkt ein.

Dabei hat jeder sicherlich schon einmal Kollegen gehabt, die ihren Arbeitstag vorwiegend mit Kopfhörern verbringen, um die Geräuschkulisse des Büros auszublenden und anderen zu signalisieren, dass sie nicht gestört werden möchten. Rückzugsmöglichkeiten spielen eine wichtige Rolle für gute Arbeit, ständige Verfügbarkeit und Meetings hingegen stören den Denkprozess. Unterschwelliger Lärm macht sogar krank, weil er Stress erzeugt. Viele Büros bieten keine oder zu wenige Arbeitsbereiche, in denen Mitarbeiter dies umgehen und ungestört arbeiten können.

Hinzu kommt die Angst vor schlechter Außenwahrnehmung. In einer Arbeitswelt, in der durchsetzungsstarke Teamplayer gesucht werden, kommt ein Abkapseln selten gut an. Der Schritt ins Home Office unterstreicht für manchen noch die Isolation oder ist umgekehrt Zeichen eines elitären Denkens, das Neid und Missgunst hervorruft.

Studien haben längst nachgewiesen, dass Mitarbeiter häufig produktiver und zufriedener sind, wenn sie auch von zuhause arbeiten dürfen. Das reduziert nicht zuletzt die Wahrscheinlichkeit einer Kündigung. Denn wer Heimarbeit macht, spart durch das Wegfallen der Anfahrt nicht nur wertvolle Zeit, sondern kann die eigene Arbeitszeit auch flexibler einteilen und so die Work-Life-Balance verbessern.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

So vorteilhaft das Arbeiten in den eigenen vier Wände klingt, ist es natürlich kein Allheilmittel. Jedes Team und jedes Unternehmen muss seine eigene Version des modernen Arbeitsplatzes entwickeln und aktiv umsetzen.

Schließlich ist gemeinsame Zeit ist nicht nur für die Familie, sondern auch für Kollegen wichtig. Das Öffnen des privaten Raums unterstützt vielleicht noch eher das Phänomen der ständigen Erreichbarkeit. Und wer krank ist, wird mit höherer Wahrscheinlickeit trotzdem arbeiten, wenn er zuhause ist.

Nicht in jedem Fall ist eine räumliche Trennung notwendig, um ein besseres Arbeitsumfeld zu schaffen. Es kann schon helfen, das eigene Kommunikationsverhalten zu reflektieren. Unruhe entsteht schließlich auch, wenn ich bei jeder kurzen Frage sofort meinen Kollegen anspreche oder anrufe.

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